🚲 So geht autofrei
Praktische Tipps und Informationen für ein Leben ohne eigenes Auto.
Mobilität ohne Auto
Es gibt viele Alternativen zum eigenen Auto:
Tipps für den Umstieg
Autofrei zu leben ist leicht. Nur der Umstieg ist schwierig.
Sprung ins kalte Wasser oder allmählicher Ausstieg?
Sind Sie autosüchtig? Bei einer Entziehungskur ist der Sprung ins kalte Wasser oft die wirkungsvollste Möglichkeit sich vor faulen Kompromissen und Rückfälligkeit zu schützen: Wenn Sie es sich zutrauen, verkaufen Sie Ihr Auto einfach oder kaufen kein Neues mehr, wenn diese Entscheidung ohnehin ansteht. Nach anfänglichen „Entzugserscheinungen“ finden Sie einen neuen, autofreien Lebensrhythmus.
Sie können Ihren allmählichen Ausstieg aus dem Autofahrerleben in drei Phasen durchführen:
1. Entscheidungsphase: Wollen Sie autofrei leben?
Die Entscheidung für die Autofreiheit kann nur jede oder jeder Einzelne selbst treffen. Wir möchten Sie hier motivieren und zeigen, wie es geht. Die Entscheidung, autofrei zu leben, wirkt sich tiefgreifend auf Ihr Leben aus. Unterschätzen Sie nicht den Gewöhnungs- und “Suchtfaktor”, die emotionale Bindung, die Sie zu Ihrem Auto aufgebaut haben. Und das tägliche Leben ist heute stark auf das Auto ausgerichtet, und vielfach wird die Nutzung des PkWs als selbstverständlich vorausgesetzt. Schert jemand aus diesen gesellschaftlichen Normen und Konventionen heraus, ist er oder sie auf ein organisatorisches Geschick sowie Selbstbewusstsein angewiesen. Autofreies Leben löst häufig Ver-, aber auch sehr viel Bewunderung aus, und führt nicht in die soziale Isolation.
Ein autofreies Leben hat andere Rahmenbedingungen als ein Leben mit Auto. Bei der Wohnortwahl legt man mehr Wert auf die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz und die Erreichbarkeit wichtiger Versorgungs- und Freizeiteinrichtungen zu Fuß oder gut mit dem Fahrrad. Wer so wohnt, dass Kitas, Schulen, Arbeitsplätze, Einkaufsläden und Freizeitziele nahräumlich oder mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar sind, kann sich an ein autofreies Leben schnell gewöhnen. Wenn Sie die Entfernungen zu diesen Einrichtungen in Ihrer Planung berücksichtigen, wird es in Zukunft leichter für Sie sein, das autofreie Leben zu genießen. Auch die Freizeitgestaltung verläuft ein bisschen anders: Die Autofreien berücksichtigen grundsätzlich die Erreichbarkeit ihrer Ziele, während Autofahrende sich in Gedanken bedenkenlos über riesige Entfernungen hinwegsetzen. Sie fahren dann eventuell zu einem Landgasthof in einem 30 Kilometer entfernten Dorf zum Abendessen, obwohl die Gaststätte um die Ecke vielleicht genauso gut ist. Ohne Auto wird die Welt für Sie schöner und spannender, denn es gibt viel Neues zu entdecken. Wenn nicht alle Ziele beliebig gleich gut erreichbar sind, würdigen Sie jedes einzelne umso mehr.
Haben Sie die Motivationsfrage positiv beantwortet, steht nur noch eine wesentliche Frage im Raum: Ist Ihr Alltag autofrei beherrschbar bzw. kann er entsprechend umgestaltet werden?
2. Vorbereitungsphase: Hindernisse erkennen und beseitigen
Den Einstieg in die Autofreiheit schrittweise durchführen: Sie benutzen das Auto immer weniger, die Alternativen stattdessen häufiger. Bald steht das Auto nutzlos herum und die anfallenden Gebühren, Versicherungen, Steuern etc. sind nicht mehr gerechtfertigt. Sie können auch während einer Schnupperphase nur die Wochenenden autofrei verbringen oder für eine begrenzte Zeit „autofasten“.
3. Handlungsphase: Entzug
Nach guter Vorbereitung sind die nächsten Schritte problemlos und schnell durchgeführt:
Danach ist Durchhalten angesagt. Wichtig sind positive autofreie Erlebnisse. Diese können Sie durch gezielte Freizeitaktivitäten herbeiführen, z.B. die nähere Umgebung entdecken.
Ihren Kindern wird das Leben ohne Familienauto auch guttun. Kinder mögen das Stillsitzen im Auto meistens nicht, und ihre motorische Entwicklung wird durch die Bewegung an der frischen Luft und das Fahrradfahren gefördert. Im Zug haben sie mehr Bewegungsfreiheit und fahren kostenlos mit, wenn sie unter 15 Jahre alt sind.
Moralische Unterstützung bietet auch der Kontakt zu Gleichgesinnten z.B. bei autofrei leben! e.V.
Genießen Sie Ihren neuen Lebensstil. Auch wenn Sie auf manches nun verzichten müssen, tun sich dafür neue Möglichkeiten auf: auf dem Heimweg einen Spaziergang im Park machen, auf der Zugfahrt ein Buch lesen,
Herausforderungen
Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Im Folgenden bieten wir Antworten auf die häufigsten Fragen.
1.) Ich habe keine Zeit, um ohne Auto zu leben!
Es gab schon Wettrennen, um es zu beweisen – aber eigentlich ahnt es jeder: In der Stadt ist man mit dem Fahrrad auf 90 Prozent der Wege am schnellsten. Auf längeren Strecken kommt es auf die Anbindung von Bus oder Bahn an – aber angesichts von Stauzeiten und Parkplatzsuchdauer sieht das Auto meistens alt aus.
Und wie viel Zeit in Ihrem Leben verbringen Sie eigentlich damit, nur für Ihr Auto zu arbeiten? Sie könnten ohne Auto mit dem gleichen Lebensstandard wahrscheinlich in Teilzeit arbeiten, und anfangen, das Leben zu genießen – auf dem Fahrrad oder beim Wandern in der Natur.
2.) Wie soll ich bei dem Wetter Fahrrad fahren?
Ein Wanderersprichwort sagt: "Es gibt kein schlechtes Wetter sondern nur unangepasste Kleidung." Das gleiche gilt für das Radfahren. Regenkleidung und Überziehhosen schützen die Kleidung vor Wasser, so dass man am Ziel trocken aus der Verpackung schlüpfen kann. Es empfiehlt sich etwas langsamer zu fahren, damit man nicht schweißgetränkt ankommt. Bei Glatteis sollte man, wie ein Autofahrer auch, angemessen vorsichtig fahren, und man kann im Gegensatz zum Autofahrer an kritischen Stellen absteigen und schieben. Für das Rad gibt es auch Spikes. Öffentliche Verkehrsmittel haben in extremen Fällen auch Probleme mit Glatteis, aber da ein Bus eine bessere Straßenlage als ein Auto hat, kommt es nur selten zu Unfällen, maximal zu Verspätungen.
Ist Ihnen schon aufgefallen, dass Autofahrer oft wetteruntaugliche Kleidung tragen? Im Gegensatz zu Ihnen setzen sich Fußgänger und Radfahrer mit der Witterung auseinander und haben die passende Kleidung an. Wechselkleidung im Büro z.B. erleichtert die Anpassung an neue Wetterverhältnisse.
3.) Busse und Bahnen haben doch ständig Verspätungen!
Verspätungen in öffentlichen Verkehrsmitteln kommen genauso vor wie Verspätungen mit dem eigenen Auto. Gerade der Umgang mit Verspätungen zeigt den Unterschied zwischen der Autofahrer- und Bahnfahrermentalität: Ein Autofahrer wähnt sich immer als Herr seiner Lage, kontrolliert das Fahrzeug und wählt seine Strecke selbst. Auch dann wenn er im Sommerferienanfangsstau schmort, fühlt er sich noch als Individuum. Der erfahrene Bahnfahrer dagegen hat sich damit abgefunden, die Verantwortung für sein Vorankommen anderen zum Teil zu überlassen. Er hat immer genug Lesestoff und Picknick dabei, kann gelassen bleiben oder kennt die alternativen Verbindungen im Schlaf.
4.) Wie komme ich denn am Wochenende raus aufs Land?
Es gibt Gegenden, die von dem öffentlichen Verkehrsnetz am Wochenende so gut wie abgeschnitten sind. In diesem Fall bietet es sich an, vom nächsten größeren Bahnhof aus mit dem Rad zu fahren. Das Rad kann man im Fahrradabteil des Zuges transportieren oder, wenn dies nicht vorhanden ist, ein Faltrad verwenden. Wenn auch das nicht möglich ist, bleibt immer noch Carsharing oder ein Taxi.
5.) Was soll ich denn im Notfall ganz ohne Auto machen?
Viele Menschen behalten ihr Auto mit der Begründung bzw. Angst, es könnte ja doch einmal „etwas“ passieren, das nur mit dem Auto zu meistern wäre. Diese Angst ist eher irreal, denn für den Notfall gibt es immer noch Notarzt und Feuerwehr oder Taxis. Diese haben sogar noch den Vorteil, dass man auf einen professionellen Fahrer vertrauen kann, während man selbst in der Nervosität Fahrfehler machen könnte. Die Angst vor dem Verlust der Autonomie ist verständlich. Aber: Sie sind nicht auch froh, dass wir in einem arbeitsteiligen sozialen Geflecht aus Menschen und Dienstleistungen leben? Oder was machen Sie, wenn Ihr Auto im Notfall streikt?
6.) Wie soll ich denn meine Einkäufe transportieren?
Sie können einen Handkarren oder ein Lastenrad nutzen, einen Rucksack oder die Packtaschen am Fahrrad. Oder Sie kaufen weniger oder woanders oder lassen sich liefern. Oder Sie kaufen woanders ein. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!
7.) Auf dem Land geht es aber nicht, autofrei zu leben.
In der Stadt ist es tatsächlich einfacher. Wenn Sie auf dem Land leben, müssen Sie besser planen und mehr liefern lassen.
Eventuell müssen Sie darauf verzichten, zum Mittagessen mal schnell nach Hause zu fahren. Das autofreie Leben ist fast überall möglich!